Mittelbadische Presse/Acher-Rench-Zeitung , Dienstag, 31.03.2026

Hommage an den Filmklassiker „Pulp Fiction“

Carsten Dittrich inszeniert „Royal mit Käse“ zum Abschluss der Puppenparade Ortenau

Wie bringt man einen Filmklassiker der 90er Jahre auf eine Figurentheater-Bühne: mit der gehörigen Chuzpe, sich da ran zu wagen und viel Fantasie. Weltstars wie John Travolta, Bruce Willis, Uma Thurman spielten in Tarantinos Gangsterballade, die für sieben Oscars nominiert wurde. In Oberkirch machte Jan Mixsa aus dem Filmklassiker eine furiose One-Man-Show, die von Carsten Dittrich mit viel schwarzem Humor inszeniert wurde und erst einen Tag vorher Premiere hatte.

Künstler Matthias Hänsel fertigte die Handpuppen, Jan Mixsa hat die Finger drin und zieht überall die Fäden. Mixsa ist der Schrottpressen-Chef Master-Joe, der zwar dem Film „Pulp Fiction“ entstammt, dort aber keine große Rolle spielt. Hier ist er nicht nur ein Schrottplatz-Betreiber, bei dem man unauffällig blutverschmierte Autos – zu kleinen Würfeln gepresst- entsorgen kann, er ist der „Godfather“ der Unterwelt höchstpersönlich, der Strippenzieher, der sich selbst die Finger nicht schmutzig macht, dabei liebevoller Opa.

Bereitwillig gibt er dem Publikum Auskunft über seine Geschäfte: Wie der Job der Profikiller Vincent Vega und Jules Winnfield aus dem Ruder läuft, über den abgehalterten Profiboxer Butch, der seinen Auftraggeber hintergeht und den entscheidenden Kampf doch nicht – wie vereinbart – verliert und wie eine goldene Uhr über etliche Generationen auf unübliche Weise weitergegeben wurde. Die Liebe zum Film der beiden Theatermacher ist zu spüren – wie in der ironischen Hommage an die Tanzszene von John Travolta mit Uma Thurman, wenn Profikiller Vincent Vega mit der Frau des Oberbosses tanzt, auf die er eigentlich aufpassen sollte. Die Köpfe der Handpuppen ähneln den filmbekannten Figuren, das Personal des Schrottplatzes hat Köpfe aus Blechdosen.

Seit 20 Jahren ging das Stück Regisseur Dittrich und Jan Mixsa im Kopf herum: „Die Frage war, wie machen, dass Zuschauer verstehen, ohne dass sie den Film kennen. Wir lieben Kino und ‚Pulp Fiction‘ ist Kult-Klassiker. Monster-Jo war nur kurz im Film, ihm haben wir die Rolle des Bösewichts gegeben. Wir haben die Uhr als verbindendes Element geplant, sodass alle Episoden, die im Film getrennt sind, verbunden werden und eine letzte Szene erklärend dazu gestellt. Erzählt wird die Geschichte auch nicht in Zeitsprüngen wie im Film, sondern chronologisch.“ (C. Dittrich)

Ursprünglich war eine andere Inszenierung geplant, die sich aber nicht realisieren ließ – und als sie vor Weihnachten nochmal „Pulp Fiction“ ansahen, war das neue Stück klar, das dann in einer Rekordzeit von fünf Wochen stand. Mixsa hat einen eigenen Fundus, aus dem die Vielzahl der Requisiten gezogen werden konnte. Nicht nur Fans des Filmklassikers waren begeistert – laustarker Beifall und zwei Zugaben im sehr gut besuchten Forum des HFG und toller Abschluss der Puppenparade Ortenau.

Johanna Graupe